Bericht des Fachbereiches Religion für das Schuljahr 2010/2011

In der Zeitschrift Christ in der Gegenwart fand ich kürzlich einen Artikel, überschrieben mit „Die Brücke", den ich gerne diesem Jahresbericht voran stellen möchte. Er charakterisiert treffend die Situation des RU in Gesellschaft und Kirche.

„Viele Religionspädagogen wissen, dass nirgendwo sonst religiöse Fragen in einem repräsentativen Querschnitt der Ge¬sellschaft so präsent sind wie im Religions¬unterricht. Schon allein die Zahl der ju¬gendlichen Teilnehmer ist in etwa so groß wie die Gesamtheit aller sonntäglichen Gottesdienstbesucher. Unter der Über¬schrift „Nur wer sich ändert, bleibt sich treu" trafen sich neulich Religionspä¬dagogen in Donauwörth. Man forderte ei¬nen entsprechenden Lernprozess der Kir¬che, der sich an den Erfahrungen des Religionsunterrichts orientieren könne und müsse. Bischof Joachim Wanke von Erfurt und Weihbischof Ulrich Boom von Würz¬burg, die Referenten und mehr als hundert Tagungsgäste befassten sich mit dem ge¬sellschaftlichen wie religiösen Wandel. Denn nur noch in geringem Umfang findet religiöse Sozialisation in Familien und Pfarreien statt. Der Religionsunterricht ist fast zur einzigen Brücke zwischen Schule, Gesellschaft und Kirche geworden.


In seinem Beitrag „Religionsunter¬richt - ein starker Ort der Kirche" konfron¬tierte der Passauer Religionspädagoge Hans Mendl die „Schulreligion" mit der Situation in den Pfarrgemeinden. Einerseits erreicht der Unterricht Millionen von Kindern und Jugendlichen. Er bezieht Position in religi¬ösen und moralischen Fragen, auch gesell-schaftskritisch, ist offen für alle Bekennt¬nisse, gibt Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens. Zugleich befindet er sich in einer Situation, in der es viele „Restge¬meinden mit wenig Strahlkraft" gibt, die mit Priestermangel, einer wenig verständli¬chen Verkündigungssprache und vielen an¬deren Schwierigkeiten umgehen müssen. Schätzungen gehen davon aus, dass hierzu¬lande mehr als „70000 gut ausgebildete Profis in der Schule" ungefähr 10000 Pries¬tern im aktiven Dienst gegenüberstehen. Kritisches Argumentieren auf der einen Seite stößt dabei zunehmend auf eine wach¬sende „Entprofessionalisierung" in den Pfarrgemeinden auf der anderen Seite.
Die Kirche kann vom Religionsunterricht profitieren, war einhellige Meinung. Hier seien - bei allen nicht zu verschweigenden Defiziten - Offenheit, Zuhören, Ernstnehmen von Kritik zu Hause, also Elemente, die kirchlich sonst oft vermisst werden. Doch war das nicht schon einmal anders?
2012 wird das fünfzigjährige Jubiläum des Beginns des Zweiten Vatikanischen Konzils gefeiert. Der Tübinger Dogmatiker Peter Hünermann betonte, dass das Konzil auf ei¬nen fundamentalen Paradigmenwechsel im Bewusstsein der Menschen zu antworten hatte. Es sei nicht nur ein „Abschied von1500 Jahren Staatskirchentum" gewesen, sondern eine große Aufgabe, Glaube und Vernunft in Einklang zu bringen. Dies sei das tägliche Geschäft von Religionslehrern. Religionsunterricht ist nicht nur Diener der Kirche. Er kann - bei allen menschlichen Unzulänglichkeiten und dem Eingeständ¬nis, dass es auch viele missglückte Religions¬stunden gibt - ein Wegweiser in die Zukunft sein."

An der Berufsschule Neumarkt bemüht sich ein engagiertes Team aus Religions-lehrerinnen und Religionslehrern beider Konfessionen um einen guten erfolgreichen Religionsunterricht.
Der Katholische Religionsunterricht wird an unserer Schule von 10 Lehrerinnen und Lehrern erteilt, wobei vier im kirchlichen Dienst sind und ausschließlich Religionsunterricht erteilen. Die übrigen Lehrerinnen und Lehrer sind im Nebenfach tätig und erteilen zwischen 4 und 10 Stunden Religionsunterricht pro Woche.
Insgesamt vielen in diesem Schuljahr 92 Wochenstunden an katholischer Religion an.
Für den evangelischen Religionsunterricht waren zwei kirchliche Mitarbeiterinnen in das Team eingebunden. Es wurden inklusive der Außenstelle Mühlbach insgesamt 14 Stunden evangelischer RU gegeben. Ethik wird parallel zum evangelischen RU an jedem Wochentag für 2 Stunden angeboten.

Über den Unterricht hinaus führt die Religionsabteilung weitere Aktionen durch, die die Sensibilität der Schüler für den Wert der Mitmenschlichkeit stärken sollen. Seit vielen Jahren, beteiligt sich die Berufsschule an der Straßensammlung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräber e.V. Diese Aktion wird in Zukunft nur jedes 2. Jahr bedient. Ein sehr wichtiges Projekt der Berufsschule Neumarkt ist seit Jahren die Unterstützung des Kinderhospizes St. Nikolaus im Allgäu geworden. Nicht nur der finanzielle Beitrag, der heuer, wie die letzten Jahre 2000 € betragen wird, ist uns hierbei wichtig. Wir können jungen Menschen den Wert des Lebens, gerade des kranken und behinderten Lebens, anschaulich nahe bringen.
Das „Schulinterne-Krisen-Interventions-Team" SIKIT traf sich im letzten Herbst, um eventuell prekäre Situationen, die an einer Schule entstehen können, zu besprechen, um im Notfall vorbereitet zu sein.
Alljährlich bemühen sich die Religionslehrer um ansprechende Anfangs- und Abschlussgottesdienste, die sie in ökumenischer Weite durchführen. Positive Rückmeldungen von verschiedenen Seiten bestärken sie in diesem Bemühen nicht nachzulassen. Hier darf ich den beiden Geistlichen H. Pfr. Eyselein aus Pyrbaum und H. Pater Amadeus Buchzyk aus Freystadt besonders herzlich für ihr Engagement und ihren Einsatz danken; vor allem auch für die Zeit, die sie sich zusätzlich für eine intensive Vorbereitung und Planung nehmen.

Eine weitere Aktivität war das Engagement bei der Misereoraktion. Diese ist in einem gesonderten Bericht dieses Heftes gewürdigt. Am Schuljahresende des letzten Schuljahres haben sich die Kolleginnen und Kollegen der Religionsabteilung über die konfessionellen Grenzen hinweg eine Wallfahrt zur Mutter der Kranken auf dem Habsberg gegönnt. Höhepunkt war eine Vesper in der Wallfahrtskirche. Dieses schöne Unternehmen fand seinen gemütlichen Ausklang bei einer „Agape" in einem Gasthaus. Dort nutzte man die Gelegenheit die Kollegin Frau Andrea Obtmeier, die die Schule verließ, zu verabschieden.
Den Kolleginnen und Kollegen darf ich an dieser Stelle danken für ihren überaus engagierten Einsatz in einem nicht immer einfachen Metier. Weiterhin guten Mut und Gottes Segen!

Johann Rupp, StD
Fachbetreuer Religion

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